
Tobias Wegmann
Zum offiziellen Marktstart des neuen Microsoft Betriebssystems Windows 7 am 22. Oktober 09 gab es fast nur positive Kommentare von allen Seiten. Nach langem Aufstieg scheint das Betriebssystem-Team bei Microsoft endlich einen Gipfel mit Aussicht erreicht zu haben. Ich selbst arbeite mit Windows 7 seit dem RTM-Candidate im August und kann das ausdrücklich bestätigen.  Tatsächlich habe ich  mich seit der Installation noch nie über das System geärgert. So ein Dauerhoch in der eheähnlichen Beziehung, die man zu seinem engsten Arbeitspartner pflegt, grenzt schon an ein kleines, dankbar registriertes Wunder. Die Computerexperten vom Feuilleton der Süddeutschen Zeitung sind jetzt die ersten, denen Windows 7 ganz und gar nicht gefällt. In der Montagsausgabe der SZ räumen sie dafür eine halbe Seite frei (online zu lesen unter unter: http://www.sueddeutsche.de/computer/905/492264/text/ ). Dort erklären Sie uns wortreich und bildungsschwanger, dass Windows 7 zwar ganz toll funktioniere, im letzten aber ein völlig verfehltes Produkt darstelle, da es nicht geignet sei, uns in den “wolkigen Raum des Überall-Computings“ zu führen. Letzeres ist faktisch sicher richtig, nur, wie bitte soll denn das vernetzte Computing der Zukunft überhaupt aussehen? Es wird im Moment auf der Welt nur sehr wenige Menschen geben, die eine ernsthafte Vision von der Softwarewelt der Zukunft haben und auch diese werden sich später zum größten Teil böse geirrt haben, so lehrt es jedenfalls die Erfahrung. Ein Betriebssystem, das heute auf den Markt kommt, kann kaum dafür haftbar gemacht werden, die unzähligen Windungen und Sackgassen auf dem Weg vom Jetzt in die glorreiche Wolke 5.0 schon vorauszudenken. Bestenfalls kann es sauber Geräte aller Art vernetzen, sicher funktionieren und auch noch Spaß machen. All dies leistet Windows 7 und auch die SZ würde dies wahrscheinlich würdigen, käme das System nicht von Microsoft, sondern von einem der beiden Softwarehäuser, denen der Zeitgeist des Feuilletons gewogener ist.


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