Agentur, Mittagspause, Spiegel, Bild und Express sind durch, also noch Twitter lesen: „Wenn der Webshop von XX scheiße ist, ist das Meeting vertane Zeit“, „Nokia sucks“, „YY [eine weitere Weltmarke] hätte die Pleite verdient“. Wenn ich nicht schon sitzen würde, plumpste ich jetzt auf meinen Hosenboden. Innerhalb von fünf Surfminuten finde ich mühelos noch drei weitere Tweets, in denen Medienmenschen Ihre Kunden schmähen oder über Marken pöbeln, für die sie höchst dankbar wären, arbeiten zu dürfen. Nun war das Internet noch nie ein Ort der abgewogenen Formulierungen und höflichen Umgangsformen. Das weiß jeder, der in einem Forum schon einmal eine nicht vollständig mit technischen Details, Seriennummer und Softwarerevison komplettierte Frage zu stellen wagte und darauf von unverzüglich reagierenden Superusern unflätigst niederkartätscht wurde. Solche Nickname-Maulhelden entpuppen sich im Übrigen meist als durchaus höflich und hilfsbereit, falls man zufällig mal einen persönlich kennenlernt. Und auch die auf Twitter wild pöbelenden Medienmenschen können durchaus Löffel und Gabel halten, sonst hätten sie Ihren Arbeitsplatz nicht. Ihre Ausbrüche sind von der Art mäßiger Witze, wie sie auch ich gelegentlich gegenüber vertrauten Kollegen oder engen Freunden vom Stapel lasse. Diese bleiben im Zimmer und sind nach kurzem Lachen für immer vergessen, das Beste, was Ihnen passieren konnte. Spontan auf Twitter gepostet kann sie die ganze Welt lesen und sie sind konserviert für die Ewigkeit, auf dass die Enkel noch Stoff zum Verhöhnen finden. Denn wirklich anonym ist kaum jemand der „Professionellen“, die auf Twitter posten, auch wenn dies mancher glauben mag. Deshalb denkt bitte daran: Ihr sprecht mit der ganzen Welt, falls diese zuhören will.


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