
Dominik Frings
Zugegeben, ich mag manchmal ein wenig kleinlich und zu sehr web 1.0. zu sein, aber irgendwie finde ich das auch gar nicht so verkehrt. So bin ich seit 2004 stolzes Non-Premium Mitglied bei Xing (bzw. seinerzeit OpenBC). Das Netzwerk fand ich ja auch immer ganz nützlich. Vor allem, wenn mal wieder Kontaktdaten verloren gegangen sind oder in Boomphasen andere die Jobs schneller wechselten, als ich mein Outlook aktualisieren konnte. Eine Sache ging aber schon immer gegen den Strich: Die Kontaktbestätigungswünsche von Leuten, die man gar nicht kennt. Ich nenne das Xing-Blind-Dating (und sehe das auch als Mitbewerber von Elitepartner) und im Grunde läuft es wie folgt ab: 2-3 Mal die Woche checkt man seinen Account und stellt fest, dass man wieder ein paar Anfragen hat. Dann Blicke ich des Öfteren in pixelgroße Gesichter, deren Namen mir gänzlich unbekannt sind. Nun bin ich keine Koryphäe in Bezug auf das Erinnern an bestimmte Menschen. Das ist in 95 Prozent der Fälle aber auch eine durchweg unnütze Eigenschaft, denn ich kenne die Damen und Herren beim besten Willen nicht. Da fragt man sich doch, welche Motivation haben diese Leute und warum verkaufen sie keine Staubsauger, Weinflaschen oder andere Dinge an der Haustür. Im Prinzip ist eine derartige Bekanntschaft ja in etwa so gewünscht wie der volltrunkene Typ neben einem an der Bar, der unbedingt mit einem ins Gespräch kommen möchte.
Neulich war es wieder soweit, dass mich folgende stutzigen Worte begrüßten:
„Hallo Herr Frings,“
>>> (nun gut, es begann auch schon mal mit „Hey Dominik alte Hütte“)
„Schön Sie auf Xing zu treffen.“
>>> (wenn die-/derjenige meint! Ich kann es so nicht bestätigen.)
„ […]würde mich trotzdem über einen Kontakt freuen.“
>>> (woher will er/sie das wissen? Ich kann auch Aggro!)
„Unsere Branche ist ja überschaubar.“
>>> (wohl nicht genug)
Viele Grüße
XXX
>>> Gruß zurück und „abgelehnt“.
Wo ist das Problem einfach anzurufen, wenn man etwas zu sagen hat oder es bleiben zu lassen, wenn man sich die Frage – gerne nach reiflicher Überlegung – mit „nein“ beantwortet. Ich setzte jedenfalls voraus, dass ich in irgendeiner Form schon mal mit demjenigen in Kontakt getreten bin, bevor ich ihn bestätige. Das kann von mir aus per Telefon, Mail, Fax, Telegramm, Wurfpostsendung etc. passieren, bevorzugt auch persönlich.
Vielleicht habe ich aber auch einfach nur beim „Spiel das Lied vom Kontaktchampion“ nicht zugehört, und es geht nur noch um bloße Menge an Kontakten. Dann würde ich mir allerdings nicht so viel Mühe machen und so lange Texte schreiben, sondern lieber die Taktik des Mr. Okolumbewabele (eh. Finanzminister von Nigeria) ausprobieren und den Schatz im Silbersee versprechen, für eine simple Bestätigung und die Überweisung von 500$ auf ein entsprechendes Konto.




