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Marketing On Tourette

Nov 25 2010
Dominik Frings

Dominik Frings

Mit einer Kollegin durfte ich mir vergangene Woche eine Fortbildungsreihe in München zu Gemüte führen. Die heutige Blogüberschrift unterscheidet sich nur wenig vom Titel der Veranstaltung. Wie nicht anders zu erwarten war, bot der Tag Licht und Schatten. Das Erheiternde sei hier zuerst erwähnt, schließlich heißt der Veranstalter dieser Tournee “Smile”.  Da die dunkle Seite um einiges humoriger zu beschreiben ist, hebe ich sie mir noch ein wenig auf.  Ich kündige dies absichtlich so deutlich an, damit Sie auch wirklich bis zum Ende lesen und nicht nur wieder die ersten Zeilen überfliegen und danach zu den Boulevardseiten mit den Klickstrecken aus dem Hause Axel Springer o.ä. wechseln.

Ein Lichtblick war, dass die Mischung der Vorträge in Bezug auf ihren Anspruch sehr gelungen war. Bei vielen Basics beschäftigt man sich ja als Zuhörer naturgemäß eher mit dem Blackberry. Aber dieses Mal waren viele Informationen dabei, die mir so – zum Beispiel aus dem Bereich Newsletter-Marketing – nicht bekannt waren. Vor allem Norbert Rom von Adrom möchte ich hervorheben, der u.a. sehr anschaulich über Spam-Traps und Adress-Sabotage referierte. Auch Themen wie Webcontrolling, die einen als Agentur nicht unbedingt betreffen, wurden sehr kurzweilig präsentiert. Da die Themen in Blöcken vorgestellt wurden, ergaben sich lustige Konstellationen. So berichtete Mitbewerber X vor Konkurrent Y, und es waren nicht immer zwangsläufig die gleichen Zahlen, die sich an die Wand beamten. Die Spamquote aller verschickten Mails schwankt somit zwischen 87 und 97 Prozent; aber letzten Endes macht das den Junk-Ordner auch nicht mehr fett.

Kommen wir nun zu den Kuriositäten der Veranstaltung: Der Hauptpreis geht nicht an einen speziellen Referenten, zu viele standen zur Auswahl. Man hätte bedenkenlos einen Preis vergeben können für die überflüssigsten Umschreibungen und Handlungsempfehlungen. Da war die Dame, die vom „Social Butterfly“ sprach, der ja ein besonders wichtiger Multiplikor sei und gleichzeitig deckungsgleich mit dem „Social Botschafter“ oder dem „Social Hub“. Bei so viel Neologismus und Expedition ins Tierreich hätte ich den „Social Rammler“ oder aber die „Social Eintagsfliege“ noch vorschlagen wollen. Auch wurde uns gefühlte 125 Mal erklärt, dass man „testen“, „testen“, „testen“ solle, worauf von alleine vermutlich keiner gekommen wäre.

Ungeschlagen bleibt aber der Moderator des illustren Präsentationszirkels. Dieser schaffte es mit seiner einfühlsamen Art sofort, das Publikum auf seine Seite zu ziehen. Gleich zu Beginn hob er hervor, wie scheiße das Wetter in München doch sei und dass er sich glücklich schätze, hier nicht mehr wohnen zu müssen, weil Hamburg ja sowieso viel schöner sei. Damit war die Nord-Süd-Verbrüderung gelungen. Wenn die Kollegen in Korea über so viel Diplomatie verfügten, bräuchten sie keine Granaten, sondern Wattebäuschchen. Während der Veranstaltung bezeichnete der Diskussionsleiter dann das Publikum als trägen Haufen, was er daran festmachte, dass sich einem nach einem Vortrag, der nicht unbedingt Spannung im Konzentrat geboten hatte, keine Fragen aufdrängten. Abgerundet hat der Moderator den Tag mit seiner Expertise zu Social Media: Man könne sich vor, in oder hinter den Zug werfen, und momentan habe er das Gefühl, die meisten würden sich erfrischend vor den Zug werfen. Schön, wenn man mitten in der Novemberdepression die Sprache der Branche so zielsicher trifft.  Derart großes Fingerspitzengefühl könnte für internationale Abrüstungsgespräche durchaus ein belebendes Element sein. Vielleicht sollte man das einfach mal  „testen“, „testen“, „testen“.


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