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Klartext!
  1. ATS London: Ad Trading Summit von Exchangewire

    Sep 29 2011
    Tobias Wegmann

    Tobias Wegmann

    Wir haben durchaus überlegt, ob wir es uns wirklich antun wollen, in der Woche der dmexco auch noch am Ad Trading Summit in London teilzunehmen, oder ob das  unsere Aufnahmekapazität für steil ansteigende Volumengraphen und Jubelmeldungen übersteigen würde. Ein ganzer Tag Ausharren auf den roten Plüschsesseln eines dunklen Kinosaals an der Themse wurde dann aber mit einer durchaus informativen Veranstaltung belohnt.

    Die Gold- und Silbersponsoren zeigten zum Auftakt in den Keynotes eine Menge Exponentialkurven und errichteten so manches Luftschloss. Unübertrefflich hierbei der köstliche Konrad Feldmann von Quantcast, der die ach so fruchtlosen konventionellen Optimierungsmühen eines Mediaplaners im “Zeitalter der künstlichen Intelligenz“ („Yes, it has arrived, indeed“) mit dem Schachspiel eines Schulkindes gegen den Supercomputer Deep Blue verglich.

    In den Paneldiskussionen ging es dann aber wesentlich nüchterner und nachdenklicher zu, und man konnte so einiges lernen über die aktuelle Großwetterlage  im automatisierten Handel auf den beiden größten Onlinemärkten des Westens.

    Logo ATS London

    Wir hatten wieder Gelegenheit, eine ganz Reihe von neuen Marktteilnehmern kennenzulernen, die wir bisher weder aus dem Alltagsgeschäft noch von den beliebten Übersichts-Charts der Display-Ökosysteme her kannten. Angesprochen auf die wie Champignons aus dem Humus aufschießenden neuen Akronyme und Start-Up-Firmen kommentierte Marco Bertozzi von Vivaki, dass es da draußen eben viele Menschen gebe, die ein Produktfeature mit einem Businessmodell verwechseln würden. Seine daraus abgeleitete Prognose des kommenden In-Sourcings vieler Funktionalitäten erleben wir tatsächlich auch heute schon in Deutschland. Mit Adition bietet der erste Adservingprovider Sichtbarkeitsmessung jetzt als integrales Produkt ohne zusätzlichen Dienstleister an. Und dass die traditionellen Adnetworks sich demnächst RTB-fähig machen wollen, ist ein offenes Geheimnis.

    Was die Kampagnenpraxis auf dem englischen Markt anbelangt, so wird allen anders lautenden “Studien” zum Trotz weiterhin nur ein sehr kleiner Teil der Kampagnenvolumina wirklich real-time gehandelt. Und was über die Exchanges eingekauft wird, geschieht zu einem überwiegenden Teil noch ganz konventionell zu festen Geboten – auch wenn das jetzt nicht mehr “Marktplatzbuchung”, sondern „Programmatic Buying“ heißt. Die Gründe hierfür liegen weiterhin in den noch nicht wirklich klar erkennbaren Prozess-, Performance- und Erlösvorteilen, die sowohl Kunden als auch viele Publisher in ihrem Engagement zögern lassen.

    Offen angesprochen wurde auch das Qualitätsproblem des in den Marktplätzen bereit gestellten Mediainventars. Premiumumfelder sucht man hier bis heute vergebens. Eine Tatsache, die wir auch in Deutschland nur zu gut kennen. Ein Panelteilnehmer behauptete gar, wenn man in den Adnetworks nur noch Belegungsgruppen mit weniger als fünf Bannerplätzen pro Einzelseite zulassen würden, würde sich die Gesamtreichweite im Mid- und Longtail halbieren.

    Dies war natürlich zusätzliches Wasser auf die Mühlen von Richard Prince von Blue Hive, der im Panel zum Thema „Branding und Realtime-Time“ recht polemisch den mangelnden Leistungsnachweis anprangerte, den Online-Werbung generell erbringe. Die Begriffe und Prozesse waren ihm zu kompliziert, was nicht falsch ist, zum Teil aber natürlich auch mit der empirischen Messbarkeit der Einzelkontakte und direkten Reaktionen im Kanal Online zu tun hat.

    Hier zeichnete sich ganz abseits vom Thema RTB ein interessantes Diskussionsfeld für die nächsten Jahre ab. Wenn irgendwann fast alle Endgeräte IP-fähig sind, wo verläuft dann die Grenzen zwischen den Kanälen TV und Online?

    Und wird, wie es manche gerne hätten, die Messbarkeit des Onlinekanals auf indirekte Wirkunsgmessungen zurückgefahren, um eine simple und monolithische Planungsgrundlage zu haben? Oder wird sich irgendwann jeder elektronisch verbreitete Werbemittelkontakt einer individuellen Responsemessung stellen müssen, einfach deshalb, weil die Messung technisch möglich ist? Raten Sie gerne, was ich glaube, was hier geschehen wird.

     

  2. dmexco im Spiegel der Zeit – eine Manöverkritik

    Sep 26 2011

    Tobias Wegmann

    Dominik Frings

     

     

     

     

     

     

    Dominik: Mensch, Tobi! Das blühende Leben sieht aber anders aus! Zu tief in Schnapsschorle getaucht?

    Tobi: Vielleicht solltest Du erst mal in den Spiegel schauen, bevor Du Dich so aus dem Fenster lehnst. Aber stimmt schon: Zwei Tage dmexco, Kaffee, Kekse und Würste, realtime Shuttling zu den Partys, kaum Schlaf, da wird man nicht schöner. Habe auch wild geträumt: vom OVK, der klickbare Banner bei Androhung von Haftstrafen verbietet. Clutter rulez. Dementoren stürmten das Admanagement und haben die Klickcommands konfisziert. Glücklicherweise nur die Nachwirkung von einer Putzeimerportion Rindertartar und zu viel Jubiläums-Aquavit. Ich werde deswegen jetzt Einkehr halten und auf dem Weg zum virtuellen Veganer eventuell den zweiten Schaltkreis anstreben.

    Dominik (legt mit ernstem Blick Tobi  kumpelhaft den Arm auf die Schulter): Und? Auch gute Termine gehabt?

    Tobi: Ja, Sidney Carton aus Minneapolis hat uns exclusiv seine neue DSP-Cloud Lösung Broken Wings vorgestellt, natürlich semantisch cookieless plugable. Hatte leider noch keine Business Cards, aber er will sich spätestens nächste Woche aus der Cloud melden. Ansonsten: Features, Features, Features, wohin das Auge in den Hallen fällt. Außer dort, wo Hostessen in Hotpants standen. Da kannst du auf der dmexco ja immer getrost vorbei gehen. Ehrlich vermisst habe ich die Koreaner und Chinesen mit ihren Klapptischchen. Da war die Messe wohl zu früh ausgebucht. In der Debate Hall konnte man dafür in den Pausen schön übernicken, und die Käsepromotion am Stand der Medienlandschaft NRW war geradezu phänomenal. Wie war es bei dir?

    Dominik: Zwei bis drei spannende Neukundengespräche gehabt – ich würde sagen so gut wie geclosed die Deals – und dazu interessante Speaches zum Thema mobiles ReTargteting und App-Interstitials. Jetzt einen Tag ausruhen, dann beide Füße aufs Gas und auf der Überholspur durch Q4. Werde nebenbei noch die Bewegungsanalysen der lieben Kollegen anschauen. Haben ja dieses Jahr erstmalig allen einen RFID-Chip in den Oberschenkel verpflanzt und jetzt wissen wir detailliert, wer, wo, was gemacht hat. Tolles Tool, und dann siehst auch, wer den ganzen Tag nur bei Oger Media am Stand herumgelungert und Cookies gemampft hat.

    Tobi: Oger Media? Ist Dir Shrek Rotten auch über die Füße gestolpert? Sah schlecht aus, der Knabe, am zweiten Messetag.

    Dominik: Nein, zum Glück nicht. Vielleicht hat es ja geschneit, passiert hier im Rheinland schon mal Mitte September. Und wenn man dann abends nicht rechtzeitig den Absprung schafft, heißt’s halt Schwemmbirne und Raubkater. Dumm, wenn dann ein Newbui am Morgen ansteht. Da kann man froh sein, wenn es bald Richtung Flieger geht.

    Tobi: Wenigstens das mit den Taxis klappte diesmal besser. Wollte nach den Erfahrungen des letzten Jahres schon auf Rikscha und Rheinfähre umsteigen, aber es lief ja ganz flüssig. Nur Telefonieren war mal wieder eine Katastrophe, und mailen konnte ich auch nicht. War dann immer nachmittags vorne im Copyshop und habe per Fax getwittert.

    Dominik: Hey richtig, echt übel. Ich hatte gerade meine zwei Mobiltelefone, das iPad, den Laptop und das ferngesteuerte Auto vom ebay-Stand automatisch ins W-Lan eingewählt: Ende Gelände. Dass man das aber auch nicht in den Griff bekommt. Wollte mit den Techies aus Halle 7 eine Mobile Video Conference machen und dann: nur weiße Mattscheibe und vegetierende Ladebalken.

    Tobi: Skandalös. Da wird es auch schwierig, den Traffic zu bidden, wenn der Performance bei solchen Kindereien schon die Puste ausgeht. Aber nun gut. Ich muss jetzt mal Gepäck aufnehmen und zum Flieger.

    Dominik: Dann können wir uns das Taxi teilen. Die anderen Jungs und das Mädel sind schon auf dem Weg.

    Tobi: Alle in einem Flieger? Und was machen wir, wenn die Maschine abstürzt?

    Dominik: Ähemm… das ist dann ja … wohl nicht mehr unser Problem, oder?

    Tobi (niest): Stimmt.

    Dominik: Gesundheit!

  3. Bscheid gsagt – Folge 1: Datenqualität im Targeting

    Sep 19 2011

    Premiere:  Heute starten wir mit unserem Videoblog “Bscheid gsagt”. Der Name deutet es an: mediascale-Geschäftsführer Wolfgang Bscheid spricht künftig alle zwei bis drei Wochen Klartext. Über alle Themen, die die Online- und Mediabranche bewegen. Manchmal provokant, immer meinungsstark und (hoffentlich) nie langweilig.

    In der ersten Folge geht es heute – kurz vor der dmexco – um die Fragen: Bekommt der Werbekunde beim Targeting wirklich genau die Zielgruppen, die er gebucht hat? Und wie kann er überprüfen lassen, wie gut die Datenqualität seiner Targeting-Kampagnen ist?

     

  4. dmexco im Dialog – ein Zwiegespräch

    Sep 19 2011

    Tobias Wegmann

    Dominik Frings

     

     

     

     

     

     

    Dominik: Tach Tobi, alte Hütte! Lang nicht mehr gesehen. Wie läuft es bei dir so?

    Tobi: BLENDEND! Ich komme gerade aus der Übercloud, wo ich mit der Übercrowd ein wenig über Scourcing diskutiert habe. Shrek Rotten von Oger Media war auch da. Keine Ahnung, was der eigentlich  macht, aber tolle Wollmütze und gigantische Ausstrahlung. Ruht total in sich. Vulkanisch schlummernde Dynamik. Und wie geht es dir?

    Dominik: FANTASTISCH! Es läuft so richtig gut, Milch und Honig fließen, und es gibt nur ein Vorwärts, und die gebratenen Hähnchen fliegen mir in den Mund. Und das, wo weißes Fleisch so gesund ist! Und, gut gerüstet für Q4?

    Tobi: Ja, wir haben letzte Woche  dreiundzwanzig  neue DSPs an die SSP angeschlossen, um RTB im kommenden Jahr richtig zu etablieren. Dürften jetzt bald so achthundert Plattformen aufgeschaltet haben. Und dahinter kommt alles von denselben drei Vermarktern. Genial. Wir denken da auch schon an völlig neue Produkte und Mechaniken!

    Dominik: Wow, dann seid ihr ja ganz weit vorne. Welche Strategie verfolgt ihr denn?

    Tobi: Das Wichtigste ist, dass wir von den Finanzmärkten lernen. Wir packagen faulen Traffic in große Pakete und verkaufen die Anteile gestückelt an lizensierte Traffic-Händler.

    Dominik: Das klingt plausibel, man sollte das Ganze aber auch noch über Optionsscheine leveragen und auch auf sinkende Kurse wetten.

    Tobi: Oder Leerverkäufe. Wir verkaufen Traffic, den wir nicht haben, und wenn der Preis gefallen ist, kaufen wir ihn wirklich ein und verramschen ihn an Bestbietende mit den niedrigsten Ansprüchen. So spekulieren wir gegen die Preise der Google AdExchange und den PerformanceTraffic Allocator.

    Dominik: Aber hinter letzterem steht doch der griechische Staat oder? Es ist doch inzwischen ein offenes Geheimnis, dass die Griechen über den Real Time-Handel ihren Staatsbankrott aufhalten.

    Tobi: Na ja, allerdings auch nur solange, bis Google Griechenland kauft und daraus ein Testlabor für gebiddeten Mobile Traffic macht.

    Dominik: Mobile hatte ich ganz vergessen. Das kommt ja auch mit Macht auf uns zu!

    Tobi: Ja, und deswegen testet Google auch schon seine LBA-Angebote auf den äußeren Sporaden auf Herz und Nieren, damit beim weltweiten RollOut nix schiefgeht. Sollen vor Ort nur Probleme mit dem heißen Klima haben, sonst läuft alles wie geschmiert. Gibt ja auch nur einen einzigen Supermarkt dort. Spielt  das bei euch denn schon ne große Rolle?

    Dominik: Wir werden, denke ich, nächstes Jahr ca. 60 Prozent über Bewegtbild machen und mindestens genauso viel über Mobile. Dabei wird mindestens das Doppelte dann inzwischen realtime gehandelt.

    Tobi: Oh, nächstes Jahr! Da möchte ich noch gar nicht drüber sprechen. Große Unsicherheiten werden kommen und der große Knall zum Schluss.

    Dominik: Du meinst die Finanzkrise und deren Auswirkungen auf die Spendings? Da kann es natürlich schon sein, dass die Turbulenzen an den Börsen sich auf die Realwirtschaft durchschlagen und die Spendings negativ influenzieren.

    Tobi: Die Finanzkrise ist ja nur der Anfang. Erdbeben, Erdrutsche, Taifune, marodierende Riesenwesen, epidemischer Hautpilz … all das hat uns Aztec Predictive Oracle (APO) bereits in der DotCom-Blase vorhergesagt. Und Ende Dezember ist dann eh Schluss mit Vater Staat und Mutter Erde!

    Dominik: Oh, das klingt schlecht. Und was machen wir bis zum Weltuntergang? Gehen wir ne Wurst essen?

    Tobi: Ja, aber du holst die Gutscheine bei Tomorrow Focus.

    Dominik: Geht klar!

  5. SportScheck: Über die Marke zum Vertriebserfolg

    Sep 15 2011

    Index der Mediennutzung nach Altersgruppen, Quelle: ARD-Onlinestudien, Basis: Erwachsene ab 14 Jahre in Deutschland
    Index der Mediennutzung nach Altersgruppen, Quelle: ARD-Onlinestudien, Basis: Erwachsene ab 14 Jahre in Deutschland

     

    Was macht ein Handelsunternehmen, das bisher sehr effizient geworben hat, seine Kanäle schon sehr stark optimiert hat und trotzdem ambitioniert wachsen will? Vor dieser Situation stand im Herbst 2010 das erfolgreiche Multichannel-Unternehmen SportScheck.

    Während der Umsatz von SportScheck mit Bestandskunden konstant wuchs, trugen Neukunden unterproportional weniger zum Wachstum bei. Die Herausforderung lautete deshalb: Wie erreicht man ambitionierte Umsatzziele, wenn stark vertriebsorientierte Offline- und Online-Werbekanäle (Streuwurfsendung, Katalog, Affiliate, Search, Performance Display, etc.) in ihren Möglichkeiten für sich bereits weitestgehend ausgeschöpft sind? Die auf den ersten Blick überraschende Antwort: Nur mit gezielten Investitionen in die Marke – und mit einer außergewöhnlichen Bewegtbildkampagne, die auch die Mediennutzung (siehe Grafik oben) berücksichtigt!

    Gemeinsam mit der Schwesteragentur Mediaplus plante mediascale letztes Jahr die integrierte TV- und Online-Herbstkampagne für SportScheck. Mit einem breit angelegten Screenplanning ermittelten wir den optimalen Mix zwischen klassischer TV-Werbung und Online-Bewegtbild für unterschiedliche Zielgruppen. In der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift marke41 lesen Sie  die ganze Erfolgsgeschichte – oder online im ePaper (ab Seite 38).

     

  6. Die Jobkrise hat viele Gesichter…

    Sep 13 2011

    Dominik Frings

    Jenseits des Atlantiks braut sich mal wieder einiges zusammen. Nach der Ruhe legt der Sturm gleich mächtig los. Da sind die böigen Drehwinde, die sich neue Jagdreviere suchen. Da ist ein gewisser Herr Jobs, der die Apfelplantage verlässt, und dann ist da noch eine 62-jährige Dame, der man per Telefon mitteilte, dass sie nun  wieder dem freien Humankapitalmarkt zur Verfügung steht – und das in Zeiten von Rekordarbeitslosigkeit. Geht es noch herzloser?

    Wie sich nun der weitere Weg von Apple entwickelt, bleibt ungewiss und auch, inwieweit sich 450 Milliarden Dollar auswirken, die Barack Obama in den US-Arbeitsmarkt pumpen möchte. Was allerdings als gesichert gelten kann: Das Waschen schmutziger Wäsche in der Öffentlichkeit tut den beteiligten Parteien nur selten gut. So gesehen sind die Verlautbarungen, die nun zu uns durchdringen, neutral betrachtet, amüsant, für Beteiligte jedoch wenig zuträglich. Zusammengefasst gestaltet sich die Lage wie folgt: Frau Bartz wurde 2009 zu Yahoo geholt, um den Laden wieder auf Kurs zu bringen. Sie stellte rasch fest, dass es zu viele Häuptlinge und zu wenig Indianer gab, stutzte recht erfolgreich die Kosten und erhöhte die Profite. Erwartet wurde aber wohl auch noch ein Umsatzwachstum. Und da liegt das Kernproblem: Es gab wenig Phantasie, das Geschäft auf neuen Feldern zu positionieren und zu etablieren. Ob man jemanden deswegen per Telefon feuern muss, sei dahingestellt. Ebenso ist es fraglich, ob man den Verwaltungsrat in der Folge als einen Haufen Idioten bezeichnen muss, was Frau Bartz im Nachgang die stolze Summe von 10 Millionen Dollar kosten könnte. Nun bleibt die Frage, wie es weitergeht. Und da war es fast schon klar, dass sich eine Fusion mit AOL als erstes aufdrängte. Vielleicht musste die streitbare Dame auch einfach nur aus dem Weg geräumt werden, um einen Zusammenschluss zu ermöglichen. Größenwachstum über die bloße Addition zweier Umsätze ist hierbei allerdings nicht zu erwarten bzw. würde ich an der Stelle stark bezweifeln wollen.

    Was bleibt nun unterm Strich in Bezug auf die Jobkrise: Herr Jobs schafft eine neue Position durch seinen Weggang, und zumindest in den kommenden Produkten steckt noch sein Geist. Wenn es also bergab geht, wird es noch ein Weilchen dauern, 7,31 Milliarden Dollar Quartalsgewinn lassen sich so rasch gar nicht herunterwirtschaften. Zudem dürften bei aufziehenden dunklen Wolken vor allem die Produktionsanlagen in Fernost Federn lassen müssen, bevor der Sparhammer in Kalifornien zuschlägt. Frau Bartz schafft ebenfalls eine neue Stelle und wird vermutlich künftig auch nicht mehr so viele Positionen einnehmen. Trotz möglicher Strafzahlungen dürfen wir auch hier getrost davon ausgehen, dass sie für sich und ihre Lieben ausgesorgt hat. Macht also in Summe zwei freie Stellen, mit denen dem US-Arbeitsmarkt aus der Krise geholfen werden kann. Die Rechnung könnte bei einer Fusion allerdings stark ins Negative rutschen, wenn auf dem Altar der Synergie pauschal jede dritte Stelle gestrichen wird. Schade eigentlich, es sah gerade so aus, als ginge es bergauf.

  7. Behavioural-E-Mail-Marketing in der Praxis? – Leider nein.

    Sep 08 2011
    Alexander Emmendoerfer

    Alexander Emmendoerfer

    Behavioural-E-Mail-Marketing. Wir haben hier im Blog das Thema schon ein paar Mal erwähnt, und es wäre zugegebenermaßen eine echte Performance-Wunderwaffe, verhaltensbasierte Werbeaussteuerung mit den Möglichkeiten des E-Mail-Marketings zu verschmelzen. Nun sieht es allerdings so aus, als hätte ein „Branchenspezialist“ zu sehr von verbotenen Früchten genascht: In einem Adzine-Artikel hat ein Gastautor das „Konzept für maximale Relevanz im E-Mail-Marketing“ ausgerufen, das großen Erfolg verspricht, nur leider nach deutschem (und europäischem) Recht absolut nicht erlaubt ist.

    Was ist genau passiert? Herr Jakob S. Gomersall, General-Manager von RedEyeDeutschland, hat in einem aktuellen Newsletter und Artikel des geschätzten Branchenmagazins Adzine das Behavioural-E-Mail als Erfolgskonzept für „die nächsten Schritte im E-Mail-Marketing“ beschrieben. Konkret geht es darum, das Surfverhalten von Interessenten beim Besuch eines Webshops zu speichern und für bessere, relevantere Angebote per E-Mail  zu nutzen.

    Ohne Zweifel eine nette Idee, die vermutlich jedem Verantwortlichen in Online-Marketing schon mal durch den Kopf gegangen ist – nur leider ist sie in dem von Herrn Gomersall beschriebenen Verfahren verboten. Jede Form der ungefragten, gemeinsamen Speicherung von Trackingdaten und personenbezogenen Daten ist untersagt. Streng genommen ist es sogar schon verboten, innerhalb des Mediums E-Mail das Klickverhalten im E-Mail individuell zu speichern und später für relevantere Angebote zu nutzen. Jetzt mögen sich viele denken “wo kein Kläger, da kein Richter”, doch derartige Überlegungen können im empfindlichen Umfeld der aktuellen Datenschutzdiskussionen schnell zu umfassenderen Problemen führen…

    Warum ist es denn in Deutschland nicht erlaubt, Daten aus Trackingsystemen ungefragt zusammen mit personenbezogenen Daten zu verknüpfen oder zu speichern? Mit dieser Thematik muss sich die ganze Online-Branche ja nun schon seit einiger Zeit befassen, und zumindest, was eine gemeinsame Speicherung der Daten betrifft, gibt es ebenfalls schon seit einiger Zeit keine Zweifel mehr: Zusammenfassend gesagt ist alles, wovon der Interessent oder User nicht annehmen muss, dass es ungefragt über ihn zusammen mit seinen personenbezogenen Daten gespeichert ist, zum Schutz des Users auch verboten.
    So ist es auch zu erklären, dass Kaufdaten natürlich zusammen mit den personenbezogenen Daten gespeichert werden dürfen. Jeder Kunde muss davon ausgehen, dass beispielsweise der Kauf von Schuhen in einem Webshop seinen persönlichen Daten zugeordnet wird und er – Werbe-Opt-In vorausgesetzt – später Angebote entsprechend dieses Kaufs erhält. Jedes CRM-Programm funktioniert auf dieser Basis. Aber er muss eben nicht davon ausgehen, dass Informationen über sein Surf- oder Klickverhalten zusammen mit seinem Datensatz gespeichert werden. Hier schützt ihn der Gesetzgeber in zahlreichen Paragraphen. Und dies im Übrigen sowohl in Deutschland als auch in der EU und ebenso sowohl in aktuellen als auch in zukünftigen Richtlinien.

    Der Gipfel ist allerdings, dass man Herrn Gomersall hier nicht einmal unterstellen kann, dass er die rechtlichen Aspekte nur vergessen hätte. Genau das Gegenteil ist der Fall, denn er verkündet die gemeinsame Speicherung der Daten ausdrücklich als rechtens: „Übrigens: Die Zusammenführung persönlicher und verhaltensbezogener Informationen in einer Datenbank entspricht der geltenden Rechtslage in Deutschland.“  Es wird wohl sein Geheimnis bleiben, wann und wo er diese Erkenntnisse gesammelt hat.

    Jetzt sagen Sie vielleicht, aber Amazon schickt mir doch genau solche E-Mails. Immer wenn ich ein paar Bügeleisen auf der Amazon-Site anschaue, bekomme ich zwei Tage später ein E-Mail von Amazon mit Bügeleisen-Angeboten… Richtig! Nur Amazon hat sich genau dafür die ausdrückliche (!) Erlaubnis geholt. Diese Erlaubnis darf auch nicht in irgendwelchen Fußnoten oder AGBs versteckt sein, sondern der User muss hier „auf der Grundlage von klaren und umfassenden Informationen“ seine Zustimmung gegeben haben (Artikel 5, Absatz 3, Richtlinie 2009/136/EG des Europäischen Parlaments). Amazon hat dies übrigens genau so umgesetzt und einen entsprechenden Text in die persönlichen Einstellungen integriert. Leider gibt es in Deutschland nur sehr wenige Unternehmen, die die Möglichkeit nutzen, eine derartige verhaltensbasierte Werbeerlaubnis einzuholen. Aus persönlichen Erfahrungen kann ich sagen, dass wohl immer noch die Sorge vorherrscht, Interessenten und Kunden mit Fragen zu diesem Thema abzuschrecken, und die Unternehmen befürchten, dass die User dann lieber gar kein Opt-In für E-Mail-Marketing abgeben. Sie vergeben damit allerdings eine große Chance zu mehr Effizienz im E-Mail-Marketing.

    Und damit kommen wir zum versöhnlichen Schluss unserer kleinen Insider-Schelte, denn in einem Punkt kann ich Herrn Gomersall vollkommen Recht geben: Vorausgesetzt immer mehr Unternehmen entschließen sich in der Zukunft dazu, diese ausdrückliche Erlaubnis einzuholen, könnten wir wirklich „die nächsten Schritte im E-Mail-Marketing“ einleiten…

     

  8. Targeting und die Frage: Ist auch wirklich drin, was drauf steht?

    Sep 06 2011

    Wolfgang Bscheid

    Mittlerweile zählt Targeting bei immer mehr Kunden zum Standardrepertoire ihrer Onlineplanung. Egal ob Vermarkter oder Agentur, jeder bestückt seinen Leistungskatalog mit den unterschiedlichsten Targeting-Möglichkeiten. Dabei sieht es fast so aus, als ob die klassischen Planungsmodelle (AGOF, Umfeld, etc.) sukzessive durch eine Profil-basierte Reichweitensteuerung ersetzt würden. Aber je öfter Onlineplaner Profildaten als zentrale Größe nutzen, um so lauter wird die Frage:  Ist auch wirklich drin, was drauf steht?

    Früher war es kein Problem, zu überprüfen, ob man als Werbetreibender das bekommen hat, was man gebucht hatte. Heutzutage macht Targeting eine solche Kontrolle deutlich schwieriger. Wer garantiert, dass es sich bei der Buchung auch wirklich – wie gewünscht – um Männer zwischen 18 und 29 Jahren mit starker Sportaffinität handelt? Man kann schlecht jedem selektierten Nutzer ins Cookie schauen, zumal sich die wirklichen Profilinformationen in den seltensten Fällen an dieser Stelle befinden, sondern meist in Datenbanken abgelegt wurden. Damit sich Targeting in der Onlineplanung weiter etablieren kann, sind deshalb vor allem zwei Dinge enorm wichtig: Transparenz und Datensicherheit.

    Herkunft und Qualität der Daten

    Beim Umgang mit Profilinformationen lohnt es sich besonders bezüglich Herkunft und Qualität genau hinzuschauen und gegebenenfalls nachzufragen. Die wichtigsten Fragen in diesem Zusammenhang sind folgende:

    - Woher kommen die Daten? Fragen Sie unbedingt nach der Herkunft der Daten und haken Sie konsequent nach. Erst wenn Sie genau den Ursprung der Daten kennen, sollten Sie den Anbieter in die engere Auswahl nehmen.

    - Wie hochwertig sind die Informationen? Lassen Sie sich auch erklären, in welchem Umfang welche Datenquelle genutzt wird. Denn es nützt Ihnen nicht viel, wenn der Anbieter zwar hochwertige und vertrauenswürde Datenquellen einsetzt, diese aber nur einen untergeordneten Anteil am gesamten Datenbestand bilden.

    - Wurden die Daten zusätzlich bearbeitet, verdichtet aggregiert, oder wurden auf andere Art und Weise neue Informationen hinzugefügt?

    - Wie transparent sind diese “Veredelungsprozesse” tatsächlich? Wenn Ihnen bei der Frage nach etwaigen Datentransformationen Modelle vorgestellt werden, die nicht auf den ersten Blick plausibel und nachvollziehbar sind, dann sollten Sie sich besser Unterstützung aus Ihrer Marktforschungsabteilung holen. Oft reicht es schon, wenn Sie ankündigen, dass Sie einen entsprechenden Kollegen konsultieren.

    - Wie lässt sich kontrollieren, ob auch wirklich drin ist, was drauf steht? Überprüfen Sie, was für Daten Ihnen angeboten werden: Es besteht ein riesiger Unterschied zwischen absoluten und prozentualen Profilinformationen. Absolute Daten garantieren, dass das Cookie beispielsweise einer Frau zwischen 18 und 29 Jahren zuzuordnen ist. Prozentuale Informationen sagen nur aus, mit welcher Wahrscheinlichkeit es sich bei dem Profil um eine Frau zwischen 18 und 29 Jahren handelt.

    Im Grunde ist gegen prozentuale Profilinformationen nichts einzuwenden, da auch sie schon eine deutliche Reduzierung der Streuverluste Ihrer Kampagnen gewährleisten können. Wichtig ist nur, dass Ihnen der Unterschied  klar und deutlich kommuniziert wird und dass Sie bei prozentualen Profilinformationen gleichzeitig über die Treffergenauigkeit aufgeklärt werden. Denn nur so können Sie den erzielbaren Mehrwert exakt abschätzen und damit auch das Preis-Leistungsverhältnis des Angebots beurteilen.

    Nur wer Ihnen diese Frage beantworten kann und sich gleichzeitig auch externen Kontrollinstrumenten gegenüber aufgeschlossen zeigt, hat Ihr Vertrauen verdient. Wenn ein Anbieter hier zuckt, ist auf alle Fälle Skepsis angesagt.

    Datenqualität bei mediascale

    So lässt mediascale zum Beispiel seine eigenen Profilbestände zyklisch über einen Abgleich mit  hochwertigen Paneldaten verifizieren. Mit diesem Verfahren ermitteln wird für jedes einzelne Attribut dessen exakte Treffergenauigkeit. Klassisch erhobene Paneldaten bilden für uns derzeit die valideste Basis  zur Überprüfung der eignen Datenqualität.

    Diese Methode eignet sich aber auch für eine externe punktuelle Überprüfung von Profildaten. Meistens ist es schon hilfreich, eine solche Kontrolle in Aussicht zu stellen, um die Spreu vom Weizen zu trennen. Denn wer sich seiner Datenqualität sicher ist, der wird solche Maßnahmen begrüßen. Wer hingegen auf eher fragwürdige Daten setzt, wird hier schnell das Weite suchen. Und je schneller es zu dieser Marktbereinigung kommt, desto sicherer können Kunden das spannende Instrument Targeting für sich nutzen.