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Wechselwirkungtracking – Teil 2: Toolstrategien

Jan 12 2012
Tobias Wegmann

Tobias Wegmann

In Teil 1 unserer Artikelserie zum Wechselwirkungstracking hatten wir uns mit den grundsätzlichen Aufgabenstellungen dieser Disziplin beschäftigt. Wenn ein Kunde das Problem erst einmal erkannt hat und die zu klärenden Fragen halbwegs eindeutig fomuliert sind, stellt sich die nächste Herausforderung: Wie komme ich zu einer konsolidierten Datenbasis möglichst aller Onlinekontakte mit Website und Kampagnen? Denn diese muss für alle Analysen die Grundlage bilden. Bei der Auswahl eines Tools für die Aufgabe können wir drei grundsätzliche Vorgehensweisen unterscheiden:

1. Integration einer auf das Wechselwirkungstracking spezialisierten Software

Die Auswahl eines auf Wechselwirkungstracking, neudeutsch Attribution Reporting, spezialisierten Tools erscheint auf den ersten Blick die logische Wahl zu sein, um zu einer validen Datenbasis zu gelangen. Auch kann man hier erwarten, dass für die häufigsten Fragestellungen bereits vorberechnete Performance Indikatoren und vordefinierte Reports vorliegen. Gegen diese Art des Vorgehens sprechen vor allem die technischen Auslieferungskosten für ein komplettes Doppeltracking aller Klicks und Impressions und die Aufwände für die Integration und Bedienung einer komplett neuen Software. Auch vom Lizenzpreis und den Preismodellen her sind diese Lösungen meist in Bereichen angesiedelt, die einen Einsatz nur in größeren Projekten bei entsprechend großen Kunden sinnvoll erscheinen lassen.

2. Ausbau eines auch in den Spezialdisziplinen nutzbaren Systems zum zentralen Trackingtool

Dies ist eine Vorgehensweise, mit der vor allem mittelgroße Kunden versuchen, sich dem Thema Wechselwirkungstracking schrittweise zu nähern. Sie setzen über eine oder mehrere Disziplinen bereits eine Trackinglösung ein, die auch Funktionalitäten für das Attribution Tracking bietet und versuchen dieses Tracking dann über alle Kanäle auszudehnen. Softwarelösungen dieser Art sind meist entweder Abkömmlige von Searchtracking-/Bid-Management-Lösungen oder Erweiterungen zu Webanalyse-Systemen. Die Vorteile solcher Lösungen liegen auf der Hand: Die Systeme sind bereits vorhanden, Wissen zu ihrer Bedienung auch, zudem muss nur ein Teil der Kanäle mit zusätzlichen Kosten mehrfach gemessen werden. Die aus dem Search-Bereich stammenden Tools stemmen das Tracken der Customer Journey über die Off-Site-Kanäle meist auch recht ordentlich. Schwächen haben sie häufig bei der On-Site-Journey, hier können sie den Websiteanalyse-Systemen selten das Wasser reichen. Was das Wechselwirkungstracking selbst angebelangt, so konzentrieren sich diese Systeme aufgrund ihrer Herkunft oft sehr stark auf das Zuweisen und Aufteilen von Vergütungen auf den einzelnen Sale. Die Ebene der Budgetverteilung haben sie konzeptionell weniger im Blick.

Websitetracking-Systeme sind dagegen häufig stark in den bereits vorhandenen Analysemöglichkeiten. Schicken sie sich an, Kampagen im Web mitzumessen, so gibt es hier noch  häufig Kinderkrankheiten in der technischen Umsetzung. Hauptgrund ist dabei die mangelnde Erfahrung für die Funktionsweise dieser Kanäle oder das Unterschätzen der dort auftretenden Lastspitzen sowie Probleme mit dem Zulassen der Messung bei großen Portalen (Zertifizierung). Und  durch die Preisvorstellungen, die die meisten dieser Anbieter  für das Tracking im Bereich der Off-Site-Messungen haben, wurden schon viele Projekte noch in der Konzeptphase wieder beerdigt.

3. Verbindung der Datensilos vorhandener Trackingsysteme über Schnittstellen

Dieser Ansatz ist der Versuch, den Leistungsverlust und die Kosten, die mit einem doppelten Tracking der meisten oder aller Kontakte verbunden sind, zu vermeiden und trotzdem zu einer konsolidierten Datenbasis aller Customer Journeys zu kommen. Die Trackingsysteme der verschiedenen Spezialdisziplinen messen hierbei jeweils die Kontakte ihrer Kanäle und importieren ihre Datenbestände dann in ein zentrales System. Über dessen Datenbestand werden dann die Wechselwirkungsanalysen gefahren. Zur Synchronisation der Kontaktketten eines Users über die verschiedenen Systeme hinweg werden an einem Onlineübergabepunkt, der meist auf der Website des Kunden liegt, die User-IDs abgeglichen. Die Techniken, die hier angewandt werden, ähneln denen, mit denen Userprofile in Handelsplattformen und AdExchanges konsolidiert werden. Diese Toolstrategie bietet auf den ersten Blick sehr viele Vorteile, in der Praxis aber weisen heute noch relativ wenige Systeme die notwendigen Schnittstellen für den Datenimport auf. Und wenn sie vorhanden sind, sind sie keineswegs standardisiert. Auch gehen nicht alle Werbekontakte automatisch in die Customer Journey ein. User etwa, die nur Werbemittel im Web gesehen haben, ohne je auf der Website des Kunden gewesen zu sein, können dort anderen Systemen nicht übergeben werden und sind dann im Gesamt-Datensilo nicht enthalten. Die Praxis hat außerdem gezeigt, dass bei diesem Vorgehen die Unschärfen in den Daten wesentlich höher sind als bei einer tatsächlich einheitlichen Messung.

Dieser kurze Überblick über die zur Verfügung stehenden Toolstrategien soll verdeutlichen, dass es für das Tracken der Customer Journey grundverschiedene Herangehensweise gibt. Um das für den Kunden und seine Aufgaben jeweils richtige Vorgehen zu wählen, gilt es, Zeitaufwand, Kosten und Nutzen abzuwägen, .


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