In meinem letzten Beitrag habe ich über die grundsätzliche Verbindung von E-Mail Marketing und Sozialen Netzwerken geschrieben. Heute soll es nun konkreter werden. Es gibt hier in der Zwischenzeit viele Möglichkeiten, nur ebenso vieles ist bezüglich einer nachweisbaren Leistungsoptimierung im Sinne des Performance Marketing leider noch in der „Beta-Phase“…
Die einfachsten und aktuell schon am besten erforschten Formen der Integration von Social Media im E-Mail Marketing sind die Funktionen Tell-A-Friend (TAF) bzw. Forward-To-A-Friend (FTAF) und Share-With-Your-Network (SWYN). Mit der Funktion Tell-A-Friend bzw. Forward-To-A-Friend können Abonnenten die erhaltenen E-Mailings an Freunde und Bekannte weiterleiten. Hierzu klickt der Empfänger auf einen Link im E-Mailing, welcher auf eine Landing Page führt. Dort kann der Nutzer dann Informationen wie Namen und E-Mail-Adresse des Freundes oder Bekannten eingeben und absenden. Daraufhin bekommt dieser die Empfehlung zugestellt. Das Anbieten dieser Funktion kann von Gerichten als unzumutbare Belästigung durch unverlangt zugesandte E-Mail-Werbung gemäß § 7 Abs. 2 Satz 3 UWG belangt werden. Aufgrund dieser rechtlichen Grauzone, in der sich FTAF bewegt, sollte die Weiterempfehlung an Freunde oder Bekannte frei von jeglicher Werbung sein und Informationen darüber enthalten, in wessen Auftrag der Versand erfolgt ist.
Share-With-Your-Network ist eine Funktion in E-Mailings, welche es erlaubt, den Inhalt der E-Mailings ganz oder teilweise in sozialen Netzwerken wie Facebook oder MySpace zu kommunizieren und damit zu verbreiten. Dies kann entweder durch integrierte Empfehlungslinks geschehen, beispielsweise in Form von kleinen Symbolen bzw. Icons der sozialen Netzwerke, oder durch spezielle Werbung im E-Mailing, welche auf die Möglichkeit des Teilens der Informationen bewusst und augenscheinlich hinweist.
Die Silverpop Systems, Inc. führte 2009 eine Studie durch, welche Aussagen über Leistung und Erfolg der Integration von Social Media im E-Mail Marketing macht (Silverpop Systems: Emails Gone Viral – Measuring “Share to Social” Performance. Studie 2009). Das Ergebnis ist einerseits ernüchternd, andererseits zeigt es viel vorhandenes Potenzial für diese Funktion auf. Ganze 35 Prozent der ausgewerteten E-Mailings mit integrierten Social Media Links erhielten keinen einzigen Klick auf solch einen Hyperlink. Fast die Hälfte aller E-Mailings erreichte lediglich eine Klickrate auf die SWYN-Hyperlinks von 0,1 Prozent oder weniger. Bei der Funktion Forward-To-A-Friend waren es sogar noch weniger. Der Studie nach ist die virale Reichweite durch die Funktion SWYN wesentlich höher als durch FTAF, wenn nicht zusätzliche Incentives angeboten werden. Allerdings wird ein E-Mailing, welches in einem sozialen Netzwerk verbreitet wurde, von durchschnittlich 1 Prozent mehr Nutzern betrachtet. Bei 100.000 E-Mail-Empfängern erhalten also weitere 1.000 Nutzer die Nachricht durch einen Austausch in einem sozialen Netzwerk wie Facebook. Laut Silverpop wird diese Zahl weiter ansteigen, sobald sich die Social Media Funktionen im E-Mail Marketing etabliert haben und sie auch für die Empfänger nicht mehr fremd sind.
Allen Vorteilen der SWYN-Funktion zum Trotz werden Informationen, im Vergleich zu Blogs und sozialen Netzwerken, bevorzugt über das Medium E-Mail geteilt. Dies ergab eine weltweite Studie von StrongMail Systems, Inc. Mehr als 86 Prozent von Online-Inhalten wurden im 3. Quartal 2009 mithilfe von E-Mails ausgetauscht. Auch das Unternehmen ShareThis, dessen Schaltfläche „ShareThis“ oft am Ende von Artikeln oder Blogeinträgen den Leser dazu anregt, die Informationen mit anderen zu teilen, kommt zu dem Ergebnis, dass das Medium E-Mail hierfür am häufigsten verwendet wird. 46 Prozent der ausgetauschten Inhalte werden durch E-Mails an Freunde und Bekannte weitergegeben. Dabei ist allerdings die Klickrate auf Links in solchen E-Mails um ein Vielfaches geringer als auf Links, die über Twitter ausgetauscht werden. Dennoch führt der Informationsaustausch via E-Mail am ehesten zu Conversions wie dem Kauf von Produkten bzw. Dienstleistungen oder der Zustimmung zum E-Mail-Abonnement.
Insgesamt zeigt sich also aus einer performanceorientierten Sichtweise auf die Integration von E-Mail Marketing und Sozialen Netzwerke noch ein durchwachsenes Bild. Insbesondere Effekte auf die „Hardfacts“ wie Kaufabschlüsse, Newsletter-Opt-Ins oder verbesserte Profilierungen sind noch längst nicht ausreichend untersucht. Dazu wird es aber sicher bald kommen, denn die Sozialen Netzwerke kommen mit aller Macht: In Deutschland nutzten 2009 23 Prozent der Bevölkerung im Alter von 14 bis 64 Jahren Soziale Netzwerke zur Kommunikation im Internet (Institut für Demoskopie Allensbach: Acta 2009 – Zentrale Trends der Internetnutzung in den Bereichen Information, Kommunikation und E-Commerce) Damit hat sich die Nutzung dieser Kommunikationsform gegenüber 2008 um die Hälfte erhöht…







