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Klartext!
  1. Klartext-Interview mit Karsten Zunke: Werbebanner kann man anklicken

    Aug 04 2011
    Karsten Zunke

    Karsten Zunke

    Was sind die aktuellen Trends der Branche? Welches Thema wird der diesjährige dmexco-Hype? Und wer überlebt am Ende, Facebook oder Google+? Wir haben wieder einmal bei einem Online-Experten nachgefragt. Heute steht uns Karsten Zunke, freier Fachjournalist für Online-Marketing-Themen, Rede und Antwort. Zunke schreibt unter anderem für die Acquisa, für adzine.de oder für die Internet World  Business.

    1. Herr Zunke, haben Sie schon einen Account bei Google+? Was glauben Sie, werden Facebook und Google+ parallel überleben, oder wird sich einer durchsetzen?

    Die Kapazitäten für das Google+ Projekt sind momentan offensichtlich ausgelastet, daher bin ich dort noch nicht aktiv. Aber ich denke, dass Google und Facebook durchaus parallel bestehen können. Alle anderen sozialen Netzwerke werden es durch Googles Vorstoß in Zukunft jedoch sehr schwer haben. Insbesondere die deutschen Social Networks haben mit Google jetzt einen weiteren sehr mächtigen Gegenspieler.

    2. Welche Online- oder Social Media-Kampagne ist Ihnen in den letzten sechs Monaten besonders aufgefallen? Warum?

    Ein Highlight der letzten Monate ist sicher die Tesco-Kampagne in Südkorea. Einfach in der U-Bahn Plakate von gefüllten Supermarktregalen aufzustellen und via QR-Code-Scan die abgebildeten Waren zu verkaufen, das ist wirklich schlau gemacht. Ganz zu schweigen davon, dass man als Kunde nicht an der Kasse anstehen muss und die Waren auch nach Hause geliefert bekommt.

    3. Shoppen Sie häufig online? Was kaufen Sie, und was würden Sie niemals im Internet erwerben?

    Ja, ich kaufe regelmäßig und querbeet im Internet ein – vom Dachgepäckträger über CDs bis zum Fernseher. Es gibt meines Erachtens kein Alltags-Produkt, das per se für den Online-Kauf ungeeignet ist. Was ich nach ein paar Versuchen jedoch nicht wieder online kaufen würde, ist Bekleidung. Klamotten probiere ich lieber im Laden an. Die Zurückschickerei ist mir zu aufwändig.

    4. Welcher Begriff ist für einen Fachjournalisten schwieriger zu erklären: Customer Journey oder Real Time Bidding?

    Den Lesern solche Begriffe zu erklären, fällt nicht schwer. Als Fachjournalist richte ich mich an ein internetaffines Publikum, bei dem das Web Bestandteil des Tagesgeschäftes ist. Man kann also einiges an Wissen voraussetzen. Kompliziert wird es, wenn Freunde oder Bekannte fragen, über welche Themen ich schreibe. Spätestens nach drei Sätzen schaue ich in ratlose Gesichter. Deutschland hat 82 Millionen Einwohner, aber mit Online-Marketing beschäftigt sich eben nur eine kleine Minderheit. Es gibt beispielsweise noch immer Leute, die gar nicht wissen, dass man Werbebanner auch anklicken kann.

    5.  Sie haben eine Berufsausbildung bei der Deutschen Bahn gemacht. Wollten Sie Lokführer werden?

    Nein, die Lokführer-Phase hatte ich schon im Kindergarten abgelegt. Aber meine kombinierte Berufsausbildung mit Abitur war für mich in der damaligen DDR die einzige Möglichkeit für die Hochschulreife. Ausbildungsort war zudem Berlin. Für jemanden, der seine Kindheit in der vorpommerschen Provinz verbringt, ist das ein schlagkräftiges Argument.

    6.  Nach Ihrem Studium in Berlin haben Sie lange in Bayern gearbeitet, leben und schreiben jetzt aber wieder in Berlin. Was bevorzugen Sie: Weißwurst oder Currywurst? Starnberger See oder Wannsee? Berliner Taxifahrer oder Münchner Tram?

    Eindeutig Currywurst und Wannsee. Auch die Berliner Taxifahrer sind netter als ihr Ruf. Ich habe mich in Bayern sehr wohl gefühlt, vor allem der für einen Berliner ungewohnt freundliche Umgang miteinander war dort sehr angenehm. Doch Berlin ist bodenständiger und direkter. Wenn der Berliner Busfahrer schlechte Laune hat, dürfen alle Fahrgäste daran teilhaben. Auch Möchtegern-Punks, die sich mit Haarspray ihre Haare stylen, bevor sie nach Kleingeld fragen, gibt es in Berlin nicht. Wenn hier jemand um Geld bettelt, sieht er auch so aus. Berlin ist das Leben pur. Und das ist gut so.

    7. Wie kommt man als Diplom-Geograph zum Journalismus?

    Im Rahmen meines Studiums verschlug mich ein Praktikum auch in die Redaktion eines Umweltmagazins. Dort entdeckte ich meine Leidenschaft für das Schreiben und Recherchieren. Nahezu zeitgleich kamen der dot.com-Boom und eine persönliche Begeisterung für Web und Marketing. Da lag es nahe, Spaß, Job und Zukunft miteinander zu verbinden.

    8. Die Zukunft der Fachmedien…

    …wird schwierig. Es gibt im Internet immer mehr hochwertige Plattformen, die den Fachmedien ihre Meinungsführerschaft in Detailfragen streitig machen – von Corporate-Publishing-Projekten über Firmen-Newsletter bis hin zu Blogs. Es sind tausende kleine Nadelstiche ins Kompetenzherz der Verlage. Hinzu kommt, dass Informationen durch das Web quasi ubiquitär geworden sind. Fachmedien können daher nur punkten, indem sie die unzähligen Informationen filtern, in höchster Qualität veredeln und in nutzbares Wissen für ihr Publikum umwandeln. Aber genau darum werden Fachmedien sich auch behaupten. Mit zunehmender Informationsflut werden sie sogar immer wichtiger werden. Aber sie müssen härter denn je dafür arbeiten.

    9. Und zum Schluss: Was wird Ihrer Meinung nach dieses Jahr DAS Thema auf der dmexco?

    Das eine Thema gibt es eigentlich nie. Dazu ist die digitale Branche zu vielfältig und zu dynamisch. Aber Real Time Bidding und Mobile Marketing werden sicher für sehr viel Gesprächsstoff sorgen. Wobei es mich auch nicht wundern würde, wenn in dieser extrem dynamischen Branche bis zur dmexco noch ein neuer Trend aus der Taufe gehoben würde.

  2. Kalte Asche

    Apr 23 2010
    Dominik Frings

    Dominik Frings

    Bislang kannten wir die Isländer ja nur als ein kleines kauziges Wikingervolk, dass seine Finanzen nicht im Griff hat, bei -10 Grad schwimmen geht und gerne mal einen Wal zu Weihnachten fängt. Okay, dass es Geysire und Vulkane gibt war auch bekannt, aber das uns die wuseligen Magmatöpfe mal das Reisen vermiesen würden, war so nicht zu erwarten. Das unsere filigranen Düsentriebe ein bisschen Asche nicht gewachsen sind, ist denn auch verwunderlich. Lange Zeit konnte ich dem fehlenden Treiben am Himmel ja auch noch gelassen zusehen, bis zu jenem Tag, an dem ich mal wieder im Zug Richtung Frankfurt saß. Diese Trips werden zu Recht als Schicksalsfahrten bezeichnet. Die Verbindung zu den Ereignissen im Nordatlantik sind zunächst nicht offenkundig, erschließen sich aber sofort nach Besteigen des Zuges.

    Hier herrscht plötzlich wieder die Anarchie und das Amateurtum, welches man eigentlich nur aus Ferienzeiten kannte. Aufgrund eines “Diskettenfehlers” (Mehrmaliger O-Ton des Zugführers und wir haben uns wirklich nicht verhört) war eine geregelte Anzeige der Reservierungen nicht möglich. Das führte bereits zu ersten Verwirrungen bei denjenigen, die in Wagen 24 zusteigen und quer durch den Zug bis Wagen 36 (ist ja auch kalt auf dem Bahnsteig) rennen mussten. Begleitende Kommentare wie: „Warum geht es denn hier nicht weiter“ obwohl zu sehen ist, dass sich in 2 Metern Entfernung gerade  jemand hinsetzt, garnieren die morgendlichen Bestürzungen um 5:45h.  Nachdem sich die erste Aufregung gelegt hat, geht der bunte Reigen der Kuriositäten nahtlos weiter. Da wäre die Dame, die lautstark telefoniert und wirre Kommentare dem Schaffner hinterher schalmeit („Entschuldigen Sie die Störung aber ich habe kalte Füße“), um dann dem Abteil mitzuteilen, dass sie jetzt im Bistrowagen schaut, ob dort ein kommoderes Klima anzutreffen ist. Die handgestoppte Zeit bis zu ihrer Rückkehr betrug 3:13 Minuten. Das nötigt uns Respekt ab, da wir auf 5-10 getippt haben. Wussten Sie eigentlich, dass es auch tatsächlich Menschen gibt, die ihre Mailbox mit Lautsprecher abhören? Wir sind jetzt schlauer. Hätten Sie gedacht, dass der Herr hinter uns zu Zeiten der deutsch-deutschen Grenze (er lebte auf der dunklen Seite) sowas nicht mehr erlebt hat und das sein Sitznachbar seit der Grenzöffnung bei Plauen die Schnauze voll hat? Wir wissen es jetzt und verstehen auch, warum die Bahn ein Notfallprogramm entwickelt hat, bei dem die Türen automatisch weggesprengt werden, um sich dem größten Moloch zu entledigen. Und das alles lediglich deswegen, weil zu viel Asche in der Luft ist.

    Apropos zu viel Asche: Was passiert wenn zu wenig Asche da ist, erleben wir ja aktuell an anderer Stelle im Markt. Wunder kreisen aber immer wieder durch die Geschichte und insbesondere Island hat gezeigt, wie man aus verbranntem Geld (und dank Geothermik) wieder einen medialen Hype inszeniert. Somit heißt die oberste Devise: Ruhe bewahren und unter voller Flagge weitersegeln. Wir überlegen uns derweil, ob wir die (g)astronomischen Angebote des ICE 820 in Anspruch nehmen.

  3. Sänk ju for träweling wiff Deutsche Bahn

    Okt 16 2009
    Dominik Frings

    Dominik Frings

    Live aus unserem Alltag: Ein Rote-Augen-Zug kurz vor 7h irgendwo in Bayern: Ich bin mit meinem Kollegen unterwegs! Wir haben noch nicht ganz die Semmeln ausgepackt, als unsere verdutzten Ohren die ersten Wortfetzten von unseren Sitznachbarn ereilen: „In unserem ersten Meeting hat sie gleich gesagt, dass sie nicht so retailaffin ist und bislang eher im Business Development ihre Challenges gesucht hat“.
    Nun sind wir in der Werbebranche einiges gewohnt, aber heute Morgen haben wir zweifelhafte Ehre, den Floskel-König der HR-Branche an Bord begrüßen zu dürfen. Unser Headhunter-König hat alles, was seinem Amt würdig ist. Da wären die Nadelstreifen, die Designerbrille und die obligatorischen grau melierten Haare. Dazu eine Stimme wie der Radiomoderator, der einst in einem Live-Sketch bei JvM anrief und den Hr. Ackermann sprechen möchte! Mehr brauche ich wohl nicht zu sagen.

    Während ich noch etwas Zerstreuung beim Fertigstellen der Präsentation finde, bekommt mein Kollege die volle Breitseite einer nicht enden wollenden Phrasenorgie. Diese gipfelt in der Aussage gegenüber seiner halb so alten Kollegin: „Ohne es getestet zu haben, würde ich Ihnen eine überdurchschnittliche Intelligenz bescheinigen“! Ohne es getestet zu haben, sind wir da bei Ihnen, lieber Mitreisender, nicht so sicher.

    In der Folge wird Prince Charming dann privat und erzählt einen Schwank aus seiner Jugend: „In Wiesbaden, da hatte ich mal ne WG, das war aber ne gefährliche Kombi! Lauter Partytypen und ich, völlig unseriös!“
    Einfach ein Draufgänger halt und so verlief sein Leben weiter auf der Überholspur: „Meine erste Ehe, da lief die Heirat schon ein wenig wie Fahrkarten am Schalter kaufen, danach noch ein Glas Schampus!“
    Es ist leider nicht alles, was uns an akustischem Leid wiederfahren ist, in Worten wiederzugeben. Allerdings müssen wir noch das Protzen mit seinen Klingeltönen erwähnen, welche von Klassik bis Bierzelt reichen. O-Ton: „Die Halbwertszeit für diesen Ton beträgt in München 3 Wochen!“
    Kurz vor Frankfurt geht er dann zur Mutter aller Charme-Offensiven über: „Ich sehe Sie in verantwortlicher Position. Das kann sogar ein Kleiner oder Mini Country Manager sein. So Skandinavien oder so!“

    Dir, liebe Leidensgenossin, wünschen wir einen schnellen Jobwechsel, am besten nach Skandinavien oder so. Dir, lieber Abteilentertainer, wünschen wir einen Hund. Denn der versteht deine Litanei nicht oder geht rechtzeitig vor die selbigen. Zu guter Letzt noch ein  artiges: Sänk you for träweling wiff Deutsche Bahn und don’t forget: Heute gibt es “Corssengs” im Angebot!