Wie jedes Jahr traf sich auch gestern Abend die Branche zur Verleihung des New Media Awards, um digitale Kampagnen zu adeln und dem geselligen Beisammensein zu frönen. Nach diversen Gastauftritten im Rheinland war in diesem Jahr die schönste Hansestadt der Republik die Bühne für zum Teil unglaubliche Szenen, die einen bei der Beantwortung der Frage, ob es denn auch noch glaubliche Szenen gibt, zögern lassen. Aber der Reihe nach:
Die Location war mit dem alten Edelfettwerk ein wenig unglücklich gewählt. Nicht, dass man hier nicht gut feiern könnte, nur für Preisverleihungen ist es schwierig, wenn der Raum lang und schmal, die Akustik grenzwertig ist und die Säulen in großer Überzahl sind. Die nicht optimalen Voraussetzungen wurden allerdings auch in diesem Jahr durch die gut aufgelegte und gewohnt adrette sowie eloquente Moderatorin Katrin Bauerfeind kompensiert, deren Omnipräsenz auf der Bühne bei einigen Herren mitunter dafür sorgte, dass diese sich fühlten wie Schweini auf dem Weg zum Elfer, ohne dabei allerdings die testikulären Kronjuwelen wiederzufinden.
Und dann ging sie los, die Polonaise. Und sie geriet von anfänglicher Realsatire zu ungekanntem Slapstick, was eine Mischung aus Staunen, Lachen und Fassungslosigkeit hinterließ. Eine halbwegs ernstgemeinte Probe hätte den Ablauf durchaus flüssig aussehen lassen können. Statuten, welche die Einreichung einer Kampagne in nur EINER (!) Kategorie erlauben, hätten verhindern können, dass wir Einreichungsvideos in der Endlosschleife sehen und nunmehr zu therapeutischen Zwecken vermisste Kinder in einem Viano mit einem Edding malen, während aus dem Laugenburger die Soße auf die virtuelle Tapete tropft. Wer den Bullshitbingo-Bogen dabei gehabt hätte, wäre bereits zu Beginn der Veranstaltung triumphierend aufgesprungen und hätte zum „latest shit“ sein Hemd über den Kopf gezogen und „Humba, Humba Täteretä“ schalmeit. Erwähnte ich eigentlich schon, dass die durchaus gut aufgelegte und adrette sowie eloquente Moderatorin hier so einiges kompensierte?
Ihnen sind jetzt vielleicht die vielen Konjunktive entgangen und der leichte Sarkasmus. Aber als Fazit wird wohl nichts anderes übrig bleiben, als den NMA 2012 abzuhaken und für das nächste Jahr grundlegend an dem Konzept zu feilen. Eine gut aufgelegte und adrette sowie eloquente Moderatorin sollte darin nicht fehlen, und auch die Party im Anschluss kann als Grundpfeiler erhalten bleiben. Denn als die RTL2-eske Verleihung einmal überstanden war, wurde es ein sehr geselliges Fest, das der Leber eine kleine Denkaufgabe für das Wochenende mitgab. Ernsthaft feiern kann man also in Hamburg – und vielleicht wird es ja beim nächsten Mal auch eine ernsthafte Preisverleihung.
Bevor ich es vergesse, erwähnte ich eigentlich schon die adrette und eloquente Moderatorin? Nein? Gut, dann sei das hiermit nachgeholt. Und nun können wir uns bis zur dmexco wieder anderen Merkwürdigkeiten zuwenden. Ich habe fertig!


