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Klartext!
  1. Einkaufen? Macht mein Handy für mich!

    Jun 20 2012

    Dominik Frings

    In schöner Regelmäßigkeit wiederholen sich ja die Dinge im Leben, so wie die Wanderung der Karibus oder das rätselhafte Paarungsverhalten der Pinguine. Eine der schönsten und am häufigsten zitierten Litaneien ist dabei der Durchbruch von M-Commerce. Um Ihnen eine kurze Einordnung zu geben: M-Commerce kam nach E-Commerce aber vor F-Commerce, wobei F-Commerce schon wieder totgesungen wird, während die Wiederauferstehungsfeierlichkeiten in geheimen Laboren des Silicon Valley bereits geplant werden. E-Commerce wiederum ist ein alter Hut und eigentlich genauso dinoresk wie Festnetztelefonie. M-Commerce ist also ein evolutionärer Zwischenschritt, der allerdings noch nicht den Durchbruch geschafft hat. Das kann aber nur eine Frage der Zeit sein, und die Prognosen für die Eroberung der Weltherrschaft reichen von gestern über morgen bis schau’n mer mal.

    In dieser verwirrenden Gemengelage erblickten meine überraschten Augen einen Artikel, wonach M-Commerce schon bald den E-Commerce überholen werde und schon heute letzterem ordentlich Marktanteile abjage. Dies ist eine erhellende Erkenntnis, welche zwar gut klingt, leider jedoch vollkommen unsinnig ist. Die erste Frage, die man sich in dem Zusammenhang stellen muss, ist, was denn überhaupt das M vom E unterscheidet? Ist es das Endgerät? Hier fangen die ersten Definitionsprobleme an. Viele zählen über Tablets generierte Bestellungen als M-Commerce. Ich selber verweigere mich ja noch iPad & Co., aber in meinem Bekanntenkreis hat im Grunde jeder eines. Beachtenswert dabei ist, dass die überwiegende Nutzung in heimischen Gefilden stattfindet und das eigene W-Lan anzapft. Bei aller Liebe, aber das ist für mich keine mobile Nutzung. Und auch wenn sich in Cafés, Flughäfen etc. allen Sicherheitsbedenken zum Trotz fleißig eingeloggt wird, so machen dies Tablets- wie Notebookbesitzer in trauter Eintracht.

    Bleibt das Smartphone als Quelle allen M-Commerces, welches sicherlich dank weitverbreiteter Apps durchaus in einigen Bereichen einen beachtlichen Umsatz erzielen kann. Wenn es aber nur um den Umsatz geht, ist M-Commerce lediglich eine Ausprägung von E-Commerce und kann diesem keine Anteile abjagen. Genauso sinnhaft wären Sätze wie „Kreditkarten jagen Barzahlern Umsätze ab“ oder „Polen und Ukraine, diese zwei Fußballnationen müssen Sie sich merken“. Und dann sei noch die Anmerkung gestattet, dass sich einfache Produkte mit niedrigem Individualisierungsgrad durchaus einfach mobil kaufen lassen. Hier mal eine Fußballwette abgeben, dort mal ein Buch bestellen, sind Dinge, die von einem kleinen Display nicht aufgehalten werden. Bei Abschlüssen mit langwierigen Vertragslaufzeiten oder bei größeren und komplexeren Produkten dürfte die Scheu da schon größer werden. Durchaus keine bloße Utopie mehr ist eine zunehmende Verkehrung des ROPO-Prinzips. Wurde bis dato in vielen Fällen online informiert und offline gekauft, dürfte die Smartphonisierung durchaus gegenteilige Effekte zur Folge haben. Ein Beispiel: Man geht in ein Modegeschäft, probiert die begehrten Kleidungsstücke an, und wenn dann Größe etc. bekannt sind, bestellt man sich den schicken Fummel online für 10 Prozent günstiger. In dem Fall jagt M-Commerce dem stationären Handel dann tatsächlich Anteile ab bzw. schmälert dessen Renditen, denn umgekehrt können Kunden natürlich auch den Händler mit den günstigeren Onlinepreisen konfrontieren und in eine freudige Rabattdiskussion treten.

    So sind wir dann zu guter Letzt bei den Bezahlformen. Hier wird häufig „Near Field Communication“ (NFC) ins Rennen geworfen. Allerdings reden wir dabei über ein rein technisches Verfahren und sind wieder beim Bild der Kreditkarten (übrigens inzwischen auch NFC-fähig) und Barzahlern. Ob eine neue technische Bezahlform nun als Revolution gefeiert werden sollte, ist fraglich. Und ob man nun jede Funktionalität nutzen muss, nur weil es sie gibt, ebenfalls. Denn mit jedem Schritt in Richtung Bequemlichkeit wächst auch die Gefahr sowie die Abhängigkeit. Was passiert, wenn die technischen Geräte mal nicht funktionieren, durften wir heute Morgen bei einem lustigen Serverausfall erleben. Die Schreibtische sind nun jedenfalls aufgeräumt, und ich habe mir über mein Handy noch schnell ein Fußballtrikot bestellt. Es lebe der EM-Commerce!