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Klartext!
  1. Asche über meinen Kater!

    Feb 21 2012

    Dominik Frings

    Als Rheinländer nehme ich die fünfte Jahreszeit ja gerne als Aufhänger, um einige reflektierende Gedanken loszuwerden. Dies gelingt mir dieses Jahr sogar sehr gut, da ich bis auf eine eintägige Sause in der alten Heimat das bunte Treiben aus der karnevalsaversen Isarmetropole beobachten darf. Gleichzeitig ist dies natürlich als geübter Jeck durchaus ein Grund, sich mittäglicher Depressionen hinzugeben, andererseits bleiben mir der Leberleistungstest und dessen Folgewirkungen erspart.

    Dieses Jahr kam der Ernüchterungsprozess für viele deutlich eher als erwartet. Kaum war mit der Weiberfastnacht die Saison eröffnet, erdreistete sich ein gewisser Herr Wulff zurückzutreten. Der Laie mag sich nun fragen: Ja, und? Was hat das mit Karneval zu tun? Nun, fragen Sie mal einen Kölner Wagenbauer für den Rosenmontagszug… Hier wurde es beim ein oder anderen Mottowagen mit dem Präsidenten im Zentrum durchaus hektisch, hatte man sich bis dato darauf eingestellt, dass der alte Schnäppchenpräses das Sitzfleisch eines Helmut Kohls geerbt hätte. Da hatte er aber – und der Kalauer ist unvermeidlich – uns allen etwas vorgegauckelt.

    Ungefähr genauso katert es mutmaßlich auch gerade im Hause Facebook, nachdem man sich ausgerechnet hat, dass ein Börsengang aufgrund obskurer US-Steuergesetze mehr kostet, als er letzten Endes einspielt. Da soll noch mal einer auf die deutsche Bürokratie schimpfen. Hierzulande hätte man sicherlich ein Schlupfloch gefunden, um dem Ehrensold zu entgehen.

    Apropos Facebook: Mein persönlicher Kater war die Veröffentlichung eines Artikels mit dem Titel „Berlin ist auch deutsche Facebook-Hauptstadt!“. Diese Feststellung wurde dann auch gleich munter und vor allem unreflektiert von den unterschiedlichsten Nachrichtenseiten übernommen, was zeigt, dass die Redakteure allesamt schon mental auf dem roten Pferd saßen. Denn die Feststellung beruhte alleine auf der Betrachtung absoluter Zahlen, und jetzt ist das Berliner Wunder auch gleich wieder entzaubert. Ich habe mir erlaubt, die Werte mit den Städtegrößen laut Wikipedia (und ja, auch das ist keine wissenschaftliche Recherche) grob ins Verhältnis zu setzen:

    1. Berlin 1.234.900*           (~35%)

    2. München 825.000          (~61%)

    3. Hamburg 697.860          (~39%)

    4. Stuttgart 665.220      (~110%)

    5. Frankfurt (Main) 576.620 (~85%)

    6. Köln 491.300                 (~49%)

    7. Düsseldorf 457.020         (~78%)

    8. Dortmund 296.520         (~51%)

    9. Hannover 291.860          (~56%)

    10. Mannheim 257.460        (~82%)

    *Zahl der Nutzer, die sich in einem Monat mindestens 1-mal bei Facebook eingeloggt haben. Die Daten stammen vom Facebook Ad Planner (Stand: November 2011).

    Ich war natürlich nach der Kalkulation genauso überrascht wie Sie, dass unsere neue Social-Metropole im Schwabenland liegt, wo statistisch auf einen Einwohner 1,1 Facebook-Accounts entfallen. Respektle! Dass man bei so viel Warterei vor eher unschönen alten Bahnhofsgebäuden noch Zeit hat, sich zu vernetzen, während man sich das Tränengas aus den Augen wischt, nötigt mir tiefste Anerkennung ab. In Wahrheit zeigt es aber vor allem, dass weder die Datenbasis noch die Interpretation stimmig ist, denn selbst wenn ich an die Zahlen glaube, ist Berlin Social-Outback und nicht Hauptstadt. Wenn ich beim 12. Kölsch noch mal drüber nachdenken würde, käme ich vielleicht auch zu einer anderen Erkenntnis, aber das passiert dann erst wieder nächstes Jahr.