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Klartext!
  1. Große Schatten werfen ihre Ereignisse voraus

    Sep 14 2010
    Dominik Frings

    Dominik Frings

    Es ist soweit! Die dmexco öffnet diese Woche ihre Pforten und ich bin dazu auserkoren, ein paar wärmende Worte zum einzig nennenswerten Branchentreff des Jahres zu formulieren. Okay, um ehrlich zu sein, war mein Arm der erste der hochging als die Frage aufkam: Wer macht es?! Nebenbei musste ich noch zwei reflexschnelle Kollegen aus dem Weg räumen, aber es hat geklappt.

    Was erwartet uns also? Zum einen sicherlich ein Konferenzprogramm, welches in Qualität und Quantität alles bisher Dagewesene übertreffen soll. Die Vielzahl der hochkarätigen Talkgäste und nicht zuletzt die hohe Zahl internationaler Gäste sind vielversprechend. Die Realität muss dann aber dennoch zeigen, ob sich hier neue Perspektiven eröffnen oder ob es eine Litanei bekannter Interessen und Gräben wird wie: Kunde will Agentur mehr in der Pflicht sehen, Agentur will seine eigene Interessen gegen den Vermarkter etablieren und Vermarkter will Datenhoheit und mehr Geld. Zu guter Letzt kommt dann Herr Welte und sagt, dass Online sowieso kein Medium ist in dem er werben würde, selbst wenn er das Geld dafür geschenkt bekommt. Diese Gefahr lauert bei jeder Diskussion, aber wir wollen hoffen, dass es nicht nur so ausgehen wird.

    Dann wäre da noch die Messe selber, von der keine größeren Überraschungen zu erwarten sind. Die Stimmung sollte allseits gut sein und  bevor man sich versehen hat, stehen Verabredungen für 55 Bier auf der Party am Abend – was selbst mir als erfahrenen Kölschtrinker leberistische Höchstleistungen abverlangt. Währenddessen gerät der selbst gesteckte Zeitplan bereits ab Mittag aus den Fugen, weil der Pizzaofen bei Stand XY Identitätsprobleme hat, einem aber doch nun einmal Pizza versprochen wurde und aus Höflichkeit auch noch wartet, bis sich der Gaumen dank zu hastigem Essen in einen Traum aus Feuer und Flamme verwandelt. Schnell noch ein paar unvorhergesehene Überraschungen eingeschoben und schon ist es 17h, die Hände sind wund geschüttelt und die Versuchung ist groß, das resultierende leichte Zittern mit einem der 55 versprochenen Gerstensaftkaltschorlen zu kompensieren, um nebenbei auch nicht die ganze Masse am Abend bewältigen zu müssen.

    Und dann kommt sie! Die Party! Die Quoten für diejenigen, die auf einen gelungenen Partyabend wetten, sind in der Regel extrem gut. Bei oddset werden solch mutige Tipps mit einer Quote von 1:12 honoriert (zum Vergleich: Ein Auswärtssieg von Köln in München liegt bei 1:10). Nun kann ich zumindest noch anführen, dass die neue Location nicht mehr so grätzig daherkommt, wie die alte Schredderbude. Aus diversen Jugenderfahrungen kann ich berichten, dass man aus der Halle etwas machen kann. Die Betonung liegt dabei auf „kann“. Ich werde mich hüten, Versprechen abzugeben, die ich nachher bereue (die Quoten sind ja bekannt). Wer übrigens das Abendessen woanders einnimmt, sich dabei der magischen 55 weiter annähert und dann frohgelaunt um 23.15h die Party betritt, empfindet den Partyabend deutlich weniger desaströs.

    Der Morgen danach wird maßgeblich davon bestimmt, inwieweit man den gesellschaftlichen Verpflichtungen am Vorabend nachgekommen ist. Dabei ist allerdings eine zunehmende (und von manchem bedauerte) Professionalisierung zu beobachten. Gehörte es auf meiner ersten OMD (2003) noch zum guten Ton, den nächsten Tag mit Schräglage zu begrüßen, so ist es heutzutage eher so, dass die meisten dem Schönheitsideal des gepellten Ei’s nacheifern und partout auch am 2. Messetag in der Früh noch gut aussehen wollen. Unverbesserlich aber nachvollziehbar. Im weiteren Verlauf gestaltet sich Tag 2 auch nicht anders als Tag 1, außer dass der Gaumen bereits verbrannt und somit abgehärtet ist.

    Der letzte Schritt aus der Messehölle ist der Rückflug, der gerne überbucht ist, zu spät fliegt, verpasst wird oder einfach mal ausfällt. Wohl dem, der im Flieger sitzt, sich zur Sicherheit schon mal an den Sitz gekettet hat und die Worte „Ready for Take Off“ vernimmt. Denn dann ist es geschafft, das Portemonnaie voller neuer Visitenkarten alter Gesichter und ein redseliger Kommentator wird sich genau an dieser Stelle daran machen, eine Review zu schreiben. Et kütt, wie et kütt und et hätt noch immer joht jejange!