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Klartext!
  1. GDL: Aufruf zum Counter Streik

    Mrz 01 2011
    Dominik Frings

    Dominik Frings

    Nach etwas längerer Auszeit, an dem Stress, Viren und Urlaub einen nicht geringen Anteil hatten, befinde ich mich nun wieder in der Lage, ein wenig Prosa zum Besten zu geben und ich möchte mich in dem Zusammenhang mal wieder der Deutschen Bahn widmen bzw. meiner neuen Lieblingsvereinigung GDL.

    Es ist wieder soweit: Die große Streiksaison ist angebrochen und wird in der aktuellen Spielzeit nach dem Guerilla-Prinzip vorgetragen (Gewerkschaft Der Lokguerilleros). Wir wähnen uns ja immer an der Spitze der technologischen Gesellschaft, aber gerade in diesen Zeiten sieht man wieder, dass es doch eher die klassischen Kommunikationswege sind, die auch in der Krise funktionieren. Der Webcheck am Vorabend ergab in meinem Fall keinen konkreten Streikbefund. Die unschöne Nachricht erreichte mich gänzlich analog per Funkwelle in den Radionachrichten zwischen Duschkabine und Zahnputzbecher. Ich schätze, dass die digitale Revolution noch ein wenig braucht, um uns unter fließendem Wasser mit pittoresken Bildschirmen die aktuellen News zu präsentieren. Am Bahnhof angekommen war es die Printbranche, welche die Gunst der Stunde nutzte. Hier standen aus Launchzeiten altbekannte Damen und Herren im Michelin-Outfit und verteilten die “Welt Kompakt” zur Überbrückung der Wartezeit. Chapeau, für die kurzen Reaktionszeiträume. So schnell hätte man einen Banner nicht produzieren und schalten können.

    Letzten Endes ist die Lage aber verdammt ärgerlich für alle Reisenden, die geschäftlich oder privat die S-Bahnen, Regiokriecher oder schnellschleichenden Achsbeschwerer auf der Überholspur nutzen bzw. darauf angewiesen sind. Ein angekündigter Streik würde wenigstens zu einem geordneten Chaos führen. So ist man der flächentariflichen Willkür einer doch sehr begrenzten Personenzahl ausgesetzt. Möglichkeiten zur Gegenwehr hat man leider auch nur begrenzt, wobei… wie wäre es, wenn wir alle behavioural und soziodemografischen Targetings, Expertisen und Systeme kombinieren, die Lokführer identifizieren und sie zielgerichtet mit Werbung beleidigen und beschimpfen? Ich denke dabei auch nicht an Standardformate, sondern eher an Video Interstitial und Fullscreen Layer. Wenn das nicht hilft, klemmen wir in einer nie dagewesenen Allianz nacheinander Google, Facebook und Bild.de ab, und dann wollen wir mal sehen, wer hier zuletzt lacht. Unter dem Schlachtruf „Reisende der Werbebranche vereinigt euch“ fordere ich hiermit zum Counter Streik auf.

    Da zu befürchten ist, dass das Schmunzeln über die beschriebenen Maßnahmen größer ist als der tatsächliche Wille zur Umsetzung, bleibt mir nur ein Trost: Irgendwann fährt ein Computer den Zug, und die Lokführer dürfen höchstens noch Modellbahnen steuern. Dann ist der Ärger ein für alle Mal passé, bis einem der schwere Ausnahmefehler 404 wieder verdeutlicht, wie abhängig man inzwischen doch von dieser blöden Technik ist.