mediascale - innovative medienvermarktung
Klartext!
  1. Wetten, dass Argentinien niemals Europameister wird?

    Jun 06 2012

    Dominik Frings

    „Jetzt mitmachen und ein iPad, einen Flachbildfernseher, eine Snackbox, Orion-Gutscheine und vieles vieles mehr gewinnen.” „Wer macht mit bei unserem Tippspiel? Für 2€ Einsatz seid ihr dabei und der Gewinner takes it all.“ So oder ähnlich hallt es durch die Postfachkorridore aller Orten und man kann sich dem Tipprausch eigentlich nicht entziehen. Mich wundert es in dem Zusammenhang, dass es noch keine Hochrechnung über den durch Tipprunden verursachten volkswirtschaftlichen Schaden gibt. Irgendwo in diesem Land der albernen Statistiken muss es doch einen gelangweilten Wissenschaftler geben, der den Abakus mal glühen lässt und uns eine wunderliche Geldsumme präsentiert.

    Natürlich bin auch ich vom Virus erfasst und habe schon fleißig bei Vermarkter A, Bürorunde B und Freundeskreis C die Vorrunde durchgetippt. Was, dass sollte man nicht? Man muss doch erst mal abwarten, wie sich die ersten Spiele entwickeln? UNSINN sage ich! Denn am Ende gewinnen bei großen Turnieren meistens Frauen und deren System ist – vorsichtig ausgedrückt – nicht von Wissenschaft und (Fußball-)Sachverstand geprägt. Im Gegenteil! Die weibliche Überlegenheit beruht darauf, dass sie sich von Logik nicht aufhalten lässt. Während unsereins noch langwierig überlegt, ob die polnischen Bundesligaspieler mit dem Heimvorteil im Rücken der überalterten hellenischen Schuldenarmee den angerührten Beton weich schießen, reicht für eine Frau ein Blick auf das Mannschaftsfoto, um zielsicher zu entscheiden: Die Griechen werden gewinnen! Auf die Frage nach dem “Warum” folgt dann die ehrliche wie verblüffende Antwort: Na weil sie besser aussehen, die schöneren Trikots haben und weil es denen doch eh gerade so schlecht geht. Aber in den nächsten Spielen darf dann ruhig Polen gewinnen, weil sie ja zu Hause spielen und – sie ahnen, was kommt – die Russen und Tschechen hässliche Trikots haben. Tja Männer, es ist traurig, aber wahr: Wir werden keine Chance haben, weil Fifa-Weltrangliste, statistische Direktvergleiche und Ergebnisse aus den Qualifikationsrunden häufig in einem Turnier nichts mehr wert sind. Warum erzähle ich Ihnen das alles? Es sind zwei Grundprobleme unserer Zeit, die hier ihre hässliche Fratze offenbaren:

    1. Wenn alle das Gleiche (hier Tippspiel) anbieten, wird es irgendwann undurchsichtig und nicht mehr differenzierbar. Der Nutzen für einen Vermarkter reduziert sich massiv, da man die Gewinne ja nicht mehr mit ihm in Verbindung bringt. Und bei allem Spieltrieb und Altruismus ist es ja schon die Intention, den ein oder anderen Marktpartner zu beglücken, der es dann hoffentlich in der Folge mit Sympathie heimzahlt. Das ließe sich aber auch auf viele andere Bereiche projizieren, wobei es weniger um den Zusammenhang Sympathie und Geld geht, sondern vielmehr um Verständnis und Durchsichtigkeit. Nehmen Sie die Vielzahl an Trading-Plattformen, die aus dem Boden schießen. Oder die Unmengen an neuen Social Media Angeboten/Agenturen. Irgendwann kann doch keiner mehr sagen, wer sich genau wie differenziert und was überhaupt das Herausragende an einer angebotenen Leistung ist. Genauso schwer fällt es zu beurteilen, ob hier nicht der ein oder andere ein Produkt mit einem Geschäftsmodell verwechselt.

    2. Die Vorhersagbarkeit von Ereignissen auf Datenbasis der Vergangenheit ist häufig ein tönernes Konstrukt. Natürlich ist Erfahrung wichtig und die Kenntnis der  Geschichte war selten kontraproduktiv. Dennoch darf man sich nicht alleine hierauf verlassen. Das wird in der Wirtschaft genauso häufig übersehen, wie bei einer EM-Endrunde. Wenn die Börse eine Entwicklung vorwegnimmt, ist das eine Falschaussage. Sie reagiert auf historische Daten und antizipiert eine Entwicklung, die sie gegebenenfalls selber durch einen Ausschlag nach oben/unten fördert oder konterkariert. Vorhersagen kann das Billiarden-Orakel aber noch nicht mal das Wetter der kommenden zwei Stunden. Selbiges gilt auch für Mediakampagnen. Bis zu einem gewissen Grad sind die Kampagnen auf Basis von (Media-)Studien planbar und es wäre töricht, die Instrumente nicht zu nutzen, die hierfür vorhanden sind. Ein blindes Vertrauen darauf führt aber auch auf den falschen Weg. Und häufig ist die Intuition (weibliche wie männliche) ein hilfreicher Wegbegleiter, der die Ergebnisse einordnen kann – sofern die Intuition wiederum auf einem gewissen Erfahrungsschatz aufbaut. Ein Eskimo wird sehr gut das Wetter am Nordpol, nicht aber die Conversionentwicklung einer Kampagne einschätzen können. Wobei eine Ausnahme gibt es natürlich doch: An der Börse kann man im Grunde vollkommen bar jeder Ahnung agieren, denn hier regiert posthum immer noch Herr Laplace.

    In diesem Sinne wünsche ich eine schöne Europameisterschaft. Ich selbst habe mich sicherheitshalber nach jedem (möglichen) Spieltag der Deutschen in Erwartung (!) einer schweren physischen Disharmonie im Voraus krankschreiben lassen und die Voodoo-Puppe mit dem orangefarbenen Trikot auf dem Fernseher positioniert. Es kann also losgehen!