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Klartext!
  1. Datenschutz goes Mainstream

    Jun 22 2010
    Tobias Wegmann

    Tobias Wegmann

    Der Facebook-Austritt von Frau Aigner wurde mit großem Getöse inszeniert. Hilflose Umsetzung oder PR-Masche – es bleibt die Frage, ob die Aktion jenseits des Atlantiks schlimme Existenzängste produziert hat oder überhaupt nicht wahrgenommen wurde.  Mich erinnert die Aktion der  Radio- und Fernsehtechnikerin ein wenig an die ebenso hochstilisierte Vuvuzela-Hysterie und die Forderungen nach  “Rechtsschutz gegen die Teufelströte“.

    Dennoch  ist der Austritt der Bundesverbraucherschutzministerin ein Zeichen. Es wird Zeit für eine ernsthafte öffentliche Diskussion über das, was soziale Netzwerke leisten und was sie sich im Gegenzug dafür leisten dürfen.  Egal, ob die Menschen eine Community dazu nutzen, um “endlich die Leute ins Bett zu bekommen, die man zur Schulzeit nie rumgekriegt hat”  (Steven Soderbergh) oder ob sie netzbesoffen gleich ihr gesamtes Privat- und Intimleben offenbaren – sie gehen selbstverständlich davon aus, dass sie für die Nutzung der Community keine Gegenleistung erbringen müssen. Es wurde ihnen ja auch nie etwas anderes gesagt.

    Die sozialen Netzwerke – Facebook voran – haben aber bekanntlich das Problem, dass sie in den  paar Tagesstunden, in denen sie nicht gerade nach der globalen Marktführerschaft streben, weiterhin verzweifelt nach einem ausreichend profitablen Geschäftsmodell suchen. Schließlich müssen auch Weltherrrscher irgendwann ihre Serverrechnungen bezahlen.

    Das dafür notwendige Geld mit Hilfe der persönlichen  Daten die User hinterlassen zu verdienen,  ist aber weder nett  noch klug. Facebook sollte stattdessen seinen Usern erklären, dass ein Organismus, der mehr leisten soll, als sagen wir mal das Gesundheitssystem in England, von seinen Mitgliedern eine gewisse freiwillige Gegenleistung erwarten darf. Wie diese aussehen kann, ist zu diskutieren und auszuprobieren. Diese Diskussion hat begonnen und hat inzwischen sogar die nicht gerade onlineaffinen Bereiche des Medienmainstreams erreicht.

    Harald Fortmann (das ist der Kollege, der  immer zu allem gefragt wird),  lässt  übrigens noch ausrichten, dass er Facebook inzwischen auch verlassen habe. Natürlich vor Frau Aigner. Ansonsten mache Mark  Zuckerberg  aber einen ganz tollen Job und habe die beste Community. Womit wir mal wieder bei Karl Valentin sind: Es ist schon alles gesagt, aber noch nicht von allen. Von mir jetzt auch!