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Klartext!
  1. Haben Sie Wien schon bei Tag gesehen?

    Jun 02 2010
    Dominik Frings

    Dominik Frings

    In meiner Eigenschaft als Business Kasper habe ich des Öfteren die Ehre, ein wenig durch die Welt zu lustwandeln, um bei diversen Terminen ein dummes Gesicht und einen guten Eindruck zu machen. Das ist nicht zwangsläufig immer spaßig oder gar beneidenswert, da man sich die Städte a) nicht selber aussuchen kann und b) die Möglichkeiten für Sightseeing begrenzt sind. So kenne ich von Heidelberg nur den Bahnhof (japanische Touristen kolportieren allerdings hartnäckig das Gerücht, dass die Innenstadt wirklich schön ist) und von Frankfurt – ach vergessen Sie es, da muss man nichts kennen!;).

    Zu den eher angenehmeren Aufenthalten zählen sicherlich meine Visiten im schönen Vienna. Das liegt wohl daran, dass die Stadt schon alleine beim Durchfahren seine Reize offenbart. Zugegeben, ein bisschen anders ist es hier schon in der alten KuK-Residenz. Da wäre z.B. die Schwechater Taxilobby, welche durchgesetzt hat, dass ein und dasselbe Taxi Passagiere immer nur zum Flughafen hin oder vom Flughafen weg transportieren darf. Somit entsteht immer eine Leerfahrt und führt zu einem mit Schmäh garnierten Hinweis, dass man schon mal 12€ Pauschale zahlt und unter 40€ sowieso nirgendwo hinkommt. Bei so viel Umweltbewusstsein, könnte BP auch noch halbwegs glaubhaft einen Imageflight launchen (Tank den Golf voll und dann ab zum Flughafen). Abgesehen davon konnte mir mein Taxifahrer aber sehr genau seine Sichtweise bezüglich unserem Ex-Super-Horst darlegen und im Meeting wurde uns (Deutschen) zum Erfolg von Zappel-Lena gratuliert. Soweit sind die Lebenswelten also dann doch nicht entfernt und ob in Bayern jeder den Köhler kennt, sei dahingestellt (der letzte wirklich anerkannte Regent fand hier ja seinen Tod beim schnorcheln im Starnberger See).

    Das genaue Beobachten was bei den Nachbarn im Norden passiert, war auch auf unsere Branche bezogen ein verbreitetes Phänomen. Nun geht bei uns (Piefkes) ja gerne der Blick gen UK oder USA und es fallen so bedeutungsschwangere Aussagen wie: „In UK ist der Markt ja schon viel weiter“, ohne das solch monumentalen Ergüssen eine Grundlage zugefügt wird, der sich die Floskel dann wieder selbst berauben kann. Eine ähnliche Bewertung wird der Österreicher auch über den preußischen Werbemarkt abgeben, jedoch häufig verbunden mit der Fragen, ob man denn dort überhaupt hin möchte??? Konkret wurde ich oft gefragt, ob zehn Targeting Anbieter sinnvoll sind, ob zwölf AdExchanges die Mediaplanung ohnehin obsolet machen und sowieso nur noch Ramschen gespielt wird? Auch wurde nicht ganz verstanden, warum Cookie-Dropping überhaupt in einem hohen Maße möglich war und worin die Existenzberechtigung für eine unüberschaubare Zahl an Drittvermarktern begründet liegt. Eine genaue Antwort blieb ich häufig schuldig, denn mehr als die Feststellung, dass der deutsche Markt aufgrund seiner Größe gerne ein Tummelplatz aller denkbaren Exzesse ist, fiel mir mitunter nicht ein.

    Nun ist der österreichische Markt sicherlich kein Hort der Glückseligkeit und zum Teil auch mit absurden Eigenarten gesegnet (wie z.B. Patente auf Werbeformen), aber aufgrund seiner geringen Größe, der nahezu ausschließlichen Fokussierung auf Wien (das Habsburgische ist halt doch noch nicht ganz raus!) und der vorwiegenden Einsicht, dass es gewisse Regeln gibt, hat sich bis dato ein Zustand erhalten, in dem eine vergleichsweise klare Ordnung vorherrscht. Da kann man sich dann entspannt zurücklehnen und zuschauen, was der Flachländer für eine Show bietet. Big Brother fürs Mediavolk gewissermaßen. Wohl dem, der auf der richtigen Seite der Kamera sitzt. Felix Austria!